Über lehmige Böden freuen sich wohl die wenigsten Hobbygärtnerinnen und -gärtner. Regnet es viel, staut sich darauf das Wasser, bei langer Trockenheit wird die Erdkrume betonhart und rissig – außerdem wachsen viele Pflanzen darauf nur sehr schlecht.
Trotzdem sind Lehmböden nichts Schlechtes, findet Petra Kühn, Gründerin und Inhaberin von „Der Blütendoktor“ – einem Planungsbüro für immerblühende Gartenkonzepte: „Es gibt eine Vielzahl von Pflanzen und Sträuchern, die hervorragend mit schweren Böden zurechtkommen.“ Die Moerserin hat sich seit 2021 der standortgerechten Gartengestaltung verschrieben und begeistert ihre Kundinnen und Kunden seitdem mit ihrem Konzept der „Gärten ohne Gießen“, die darüber hinaus noch blütenreich, bienenfreundlich und widerstandsfähig gegen Trockenphasen wie auch sehr nasse Perioden sind.
Auf den Rat der Natur hören
„Wir müssen nur das machen, was die Natur auch machen würde: Pflanzen nach ihren Bedürfnissen verwenden und den Boden bedecken“, beschreibt Petra Kühn ihre Devise. Für jede Bodenart und jede Umweltbedingung biete die Natur geeignete Pflanzen an. Auch auf schweren Böden könne sich so ein „biodiverses Blütenwunder“ entwickeln.
Den Wechsel ins gärtnerische Fach unternahm die ausgebildete Medizinerin, die nach eigener Auskunft „schon immer Garten gemacht“ hat, mit einem klaren Ziel: sich für ökologische, nachhaltige und pflegeleichte Alternativen zum „Standardgarten mit Lavendel, Hortensien und Rosen“ einzusetzen. „Unsere Gärten haben alle das Potenzial, ein kleines Ökosystem darzustellen, ohne dabei wild und ungepflegt aussehen zu müssen“, sagt die Fachfrau, die sich vorbereitend zur zertifizierten Gartengestalterin ausbilden ließ.
Viele Gärten würden falsch bepflanzt, bedauert die Expertin. Dort versammelten sich dann Gewächse mit ganz unterschiedlichen Ansprüchen, die an diesem Platz eigentlich gar nicht wachsen würden und sich oft gegenseitig durch widersprüchliche Bedürfnisse blockieren. Damit sie überhaupt gedeihen, müsse viel gegossen und gedüngt werden. Und trotzdem seien Gartenbesitzer oft traurig über den wenig prachtvollen Bewuchs auf der „problematischen“ Fläche.
Pflanzen sollen sich richtig wohlfühlen
Die Lösung ist laut Blütendoktorin ganz einfach: Immer wenn sie den Garten eines Kunden zum ersten Mal betrete, versetze sie sich in die Lage der dort anzusiedelnden floralen Bewohner und frage sich: „Wo werdet Ihr Euch wohlfühlen?“
Zu jeder Beratung gehöre eine Standortanalyse. Deren Ergebnisse führten zu einer ganz natürlichen Auswahl von Pflanzen, die dann beispielsweise schwere Lehmböden lieben. Lösungen „ohne Gießen“ gebe es aber auch für trockene Böden in voller Sonne. In der Regel sind dies tief wurzelnde Pflanzen. Hinzu kommen unterstützende Maßnahmen, damit der Boden nicht – wie oben bereits beschrieben – während Hitzeperioden austrocknet und aufreißt und sich bei starkem Regen nicht in einen See verwandelt.
Einfach mit Bauschutt mulchen
Eine 15 bis 20 Zentimeter dicke Mulchschicht sorge unabhängig von den Jahreszeiten dafür, dass Bodentemperatur und -feuchte wie auch die Porosität und somit der Luftgehalt konstant bleiben. Damit sei der Boden optimal geschützt und die Wachstumsbedingungen optimal.
Je nach Umgebungsbedingungen rät Petra Kühn zu unterschiedlichen Mulchmaterialien. Für Flächen, die der Sonne ausgesetzt sind, bieten sich mineralische Materialien wie Sand, Kies oder Splitt an. Im Schatten wird dagegen organisch gemulcht. Von Rindenmulch rät Petra Kühn allerdings ab: „Rindenmulch enthält durch Abbauprozesse Säuren und ist daher nur für Waldstauden geeignet, die Böden mit einem sauren pH-Wert lieben. Er verrottet schnell, und entzieht dabei dem Boden Stickstoff, wenn er sich zersetzt. Dieser Stickstoff fehlt der Pflanze dann zum Wachsen.“
Auch Bauschutt eignet sich übrigens gut als mineralisches Mulchmaterial. Wer beispielsweise einen gepflasterten Gartenweg beseitigt, kann die Unterbauschicht auf diese Art wiederverwerten.
Auf Kies- und SandBeeten wachsen tief wurzelnde, besonders robuste und gegen vielerlei Schädlinge resistente Pflanzen, die nur kurz nach dem Anpflanzen gegossen werden müssen. „Dieses Ökosystem muss nicht gedüngt werden. Durch den dichten Wuchs werden Bodenerosion und Verdunstungsverluste verhindert“, bekräftigt die Blütendoktorin auf ihrer Internetseite.
Blütenpracht zu jeder Jahreszeit
Immerblühende Konzepte lassen sich mit einer Mischung aus heimischen Pflanzen und Pflanzen aus der Prärie erstellen. So wird für Wildbienen ein ganzjähriges Nahrungsangebot bereitgestellt, wovon vor allem viele gefährdete Arten profitieren. Wer befürchtet, eine „Präriewiese“ sei eine eintönige Angelegenheit, irrt gewaltig. Einmal darauf angesprochen, sprudeln aus Petra Kühn die Namen von einer Vielzahl geeigneter Pflanzen heraus. Solche Beete sind, das versichert sie, nahezu das ganze Jahr blütentragend, abwechslungsreich und durch die Mulchtechnik wenig pflegeintensiv.
In einem Beispielkonzept für „problematische“ Lehmböden startet die Blüh-Saison im Frühjahr mit Gewächsen wie Narzissen, Märzenbecher oder Prärielilien – allesamt Pflanzen, die auch einmal eine Überflutung aushalten. Im Sommer übernehmen dann der lang blühende Blut-Weiderich, die Wiesen-Iris, der krautige Wiesen-Storchschnabel oder der bei Insekten überaus beliebte Wasserdost das Blüh-Geschäft. Wenn es im Herbst dunkler und kühler wird, zeigen dann die bis in den Oktober blühende Herbst-Anemone oder der Kerzenknöterich ihre Stärken. Letzterer blüht sogar bis in den November hinein.
Das ist natürlich nur eine kleine Auswahl. Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, sollte sich an Experten wie Staudengärtner oder Pflanzplaner wenden, die garantiert noch mehr tolle Pflanzen für Lehmböden kennen. Beim Gartencenter um die Ecke erhalte man hingegen oft weniger zuverlässige Informationen, merkt Petra Kühn an.
Aus ihrer eigenen Beratungspraxis weiß sie, dass die Kunden immer wieder von der Angebotsvielfalt überrascht sind,. Selbst auf individuelle Farbwünsche könne sie leicht eingehen: „Wer keine gelben Blüten mag, muss trotzdem nicht auf sein ganzjährig blühendes Gartenparadies verzichten. Er muss halt nur jemanden fragen, der sich damit auskennt …“




