Neu ist am Bauen mit Holz grundsätzlich gar nichts. Viele von uns mögen bestimmt alte Fachwerkhäuser – diese Bauform entspricht einer klassischen Holzständerbauweise. Nicht wenige erfüllen sich den Traum, ein Fachwerkhaus zu erwerben, es zu restaurieren und sich darin gemütlich einzurichten.
Seitdem die Fachwerkbauweise entwickelt wurde – solche Häuser sind schon für das erste Jahrhundert unserer Zeitrechnung nachweisbar –, hat sich die Holzbautechnik deutlich weiterentwickelt.
Trend zum Holzbau hält an
Auch weil Holz ein nachwachsender, nachhaltiger Baustoff ist, wird der Anteil der Gebäude, bei denen vorwiegend mit Holz gebaut wurde, nach einer zwischenzeitlichen Flaute in den 2010er-Jahren immer größer. 2021 stellten Deutschlands Bauherren und -frauen nach Zahlen des statistischen Bundesamts über 20.000 Wohngebäude fertig. Dies entspricht einem Anteil von knapp 20 Prozent im Vergleich mit anderen bevorzugt verwendeten Baustoffen wie Ziegel, Kalksandstein oder Beton.
Fachleute gehen davon aus, dass der Trend zum Holzbau sich fortsetzen wird. Die Denkfabrik „Agora Energiewende“ prognostiziert, dass der Anteil des bevorzugten Baustoffs Holz bis 2045 auf gut die Hälfte steigen werde. Das liegt auch an seinen vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. So kommt Holz bei Neubauten genauso zum Einsatz wie bei nicht mehr sanierungsfähigen Immobilien. Bei diesen wird das Haus bis auf das Kellergeschoss abgetragen, und darauf wird ein Holzhaus errichtet.
Das Zentrum für Wald und Holzwirtschaft des Landesbetriebs Wald und Holz NRW wirbt für Holz: „Holz zeichnet sich durch hohe Festigkeit und Tragkraft bei vergleichsweise geringem Eigengewicht aus. Im Vergleich zu Häusern aus Ziegeln oder Beton sind Holzhäuser leicht und verbrauchen aufgrund geringerer Wandstärken weniger Grundfläche.“ Zudem seien sie schnell bezugsfertig, weil sie in Trockenbauweise errichtet würden.
Prädestiniert für Aufstockungen und Anbauten
Dieser charakteristische Vorteil macht sich besonders auch bei Anbauten oder Aufstockungen von Bestandsgebäuden bemerkbar. Letzteres ist eine der Spezialisierungen der Fritz Stenger GmbH aus dem bayerischen Heimbuchenthal, die das Unternehmen auf der Baumesse Offenbach 2025 vorstellte. Geschäftsführer Fritz Stenger erläuterte, wie der Wohnraum in vorhandenen Gebäuden erweitert werden kann: „Wir in der Firma Stenger tragen das alte Dachgeschoss ab und bauen ein neues Geschoss in Holzbauweise auf. Innerhalb von drei Tagen regendicht.“
Video: Fritz Stenger im Baumesse-Expertenforum
Diese Vorteile von Holzbau bei Wohnraumerweiterungen betont auch die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg: „Bei Nachverdichtungsmaßnahmen bestehender Gebäude kommt oft aus statischen Gründen nur ein Holzbau in Frage. Auch beim mehrgeschossigen Holzbau sind die Vorteile wie kurze Bauzeiten, koordinierter und trockener Bauablauf ausschlaggebend.“
Bauherren wählen zwischen verschiedenen Bauweisen
Wer mit Holz bauen möchte, hat die Qual der Wahl zwischen mehreren Technologien. So eignet sich der Holzrahmenbau beispielsweise für den Neubau mehrgeschossiger Gebäude und auch für Aufstockungen und Anbauten. Die Bauelemente werden vorproduziert. Die tragenden Elemente bestehen aus Holzrahmen, die mit Dämmstoffen gefüllt sind. Beim Holzmassivbau sind wiederum alle Bauteile aus Vollholz. Auch diese Bauweise eignet sich für alle Arten von Gebäuden.
Rahmen- und Massivbauweise lassen sich auch miteinander kombinieren, dann wird von einer Hybridbauweise gesprochen. Dabei werden bisweilen Holz-Bauelemente mit Stahlbetonskeletten kombiniert.
Dem althergebrachten Fachwerk kommt die Holzständerbauweise am nächsten. Die tragenden Teile des Hauses werden mit Pfosten, Riegeln und diagonalen Streben aus Holz gebaut. Wie die Zwischenräume gestaltet werden – ob mit Ziegeln, Beton oder sogar Glas –, bleibt den Bauherren überlassen. Auch eine moderne, hochgedämmte Fassade lässt sich vor das Gerüst montieren. Die Holzständerbauweise wird vor allem bei Einfamilienhäusern, Umbauten und Anbauten eingesetzt.
Holz ist etwas teurer als andere Baustoffe
So schön Holz als Baustoff auch ist, es gibt eine Kehrseite: Seit vielen Jahren wird Holz immer teurer. Besonders in den Jahren der Corona-Pandemie war die internationale Nachfrage nach Bauholz so hoch, dass die Preise explodierten. Benjamin Leschkowski vom Immobilieninvestor Verumvest hat ermittelt: „Im Vergleich zu herkömmlichen Baustoffen sind die Preise für Konstruktionsteile aus Holz seit 2015 um etwa 40 % gestiegen, während vorgefertigte Gebäude aus Holz einen Anstieg von rund 66 % verzeichneten.“
Mittlerweile hat sich das Preisniveau etwas erholt, ist aber laut „Das Haus“ immer noch höher als vor fünf Jahren. Konstruktionsvollholz, das für tragende Teile benötigt werde, koste von 400 bis 600 Euro pro Kubikmeter im Falle von Fichtenholz bis über 1.000 Euro bei Eiche.
Vom Finanziellen her ist Holz also nicht die günstigste Wahl. Trotzdem hebt das Magazin für nachhaltiges Bauen „Cradle“ hervor: „Der Baustoff weist zahlreiche positive Eigenschaften auf, die Bauherren zu schätzen wissen. Als nachhaltiger Rohstoff schont er nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel und trägt zu einem gesunden Wohnraumklima bei.“ Besonders hebt das Magazin die Wärmedämmungseigenschaften sowie die gute Recycelbarkeit hervor, denn alte Holzhäuser könnten zurückgebaut und die einzelnen Bauteile wiederverwendet werden.


